Interview mit Dr. Hemminger

27.11.2014

Gemeinsam mit ihrem Dozenten Dr. habil. Hansjörg Hemminger und Pfarrer Weiß-Trautwein von der Evangelischen Matthäuskirche in Backnang besuchten Studenten der Evangelischen Missionsschule in Unterweissach am gestrigen Mittwoch den Abendgottesdienst Der Christlichen Gemeinde in Maubach.

Hemminger, von 1997 bis 2013 Beauftragter für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Landeskirche in Baden-Württemberg und zuvor zwölf Jahre als wissenschaftlicher Referent bei der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) tätig, führt diese Besuche bereits seit mehreren Jahren mit seinen Studenten durch. Die Redaktion konnte ihn nach dem Besuch für ein Interview gewinnen.

DCG Maubach: Herr Dr. Hemminger, über mehrere Jahre haben Sie unsere Gemeinschaft als Weltanschauungsbeauftragter der EKD begleitet und regelmäßig mit Studenten der Ev. Missionsschule in Unterweissach besucht. Was war der Anlass für diese Besuche?

Dr. Hansjörg Hemminger: Es gehört dort zum Unterricht mit dazu, andere christliche Gemeinschaften nicht nur über Dokumente, sondern auch durch Begegnungen kennenzulernen. Man sollte in der Regel nicht über Gruppen reden, ohne auch mit ihnen zu reden. Das war erfreulicherweise durch Besuche in Maubach regelmäßig möglich.

DCG: Wie haben Sie Die Christliche Gemeinde erlebt?

Hemminger: Was die praktische Lebensführung angeht, gibt es nach den Erfahrungen in der Weltanschauungsarbeit kaum Konflikte der DCG als Gruppierung mit ihrer Umwelt. Das ist erst einmal positiv festzustellen. Was es an menschlichen Spannungen zu geben scheint oder gegeben hat, betrifft eher innere Vorgänge der Gemeinschaft oder Schwierigkeiten, die mit Einzelpersonen zu tun haben. Über solche Fälle sollte man nicht allgemein und öffentlich sprechen, sondern ggf. in einem seelsorgerlichen Rahmen. Das gilt nicht nur für die DCG, sondern allgemein.

DCG: Aus vielen Gesprächen wissen wir ja, dass es zwischen der DCG und der Landeskirche theologische Unterschiede gibt …

Hemminger: Die Frömmigkeit Ihrer Gemeinschaft ist auf die Überwindung der Sünde konzentriert. Andere Christen sehen die Erlösung des glaubenden Menschen durch Christus als nicht vom Menschen her ergänzungsbedürftig an. Solche theologischen Differenzen – man könnte auch das Verständnis der Taufe nennen – sind kein Grund, sich voneinander wertend abzugrenzen. Schon gar nicht sind sie ein Grund, den Glauben anderer Christen zu beurteilen. Darüber hat sich Gott das Urteil vorbehalten.

DCG: Sie kennen viele Glaubensrichtungen und Gemeinschaften. Sicher gibt es auch bei uns Punkte, die bei uns verbessert werden können?

Hemminger: Wir sind als Christen von unserem Herrn zur Einheit aufgefordert. Das bedeutet auch, sich den drängenden Leiden der Menschen außerhalb der eigenen Kirche oder Gemeinde hilfreich zuzuwenden. Diakonie ist nach Ansicht aller Christen eine unverzichtbare, gemeinsame Lebensäußerung. Es sieht von außen so aus, als gäbe es diesbezüglich bei der DCG noch Luft nach oben.

DCG: Was sehen Sie positiv?

Hemminger: Was ich positiv sehe, ist, dass DCG Maubach mit ihrer kirchlichen und bürgerlichen Umwelt, wie bereits erwähnt, weitgehend in Frieden lebt. Das ist nicht selbstverständlich und auch nicht ohne Mühe möglich. In einer Umwelt, in der Beziehungen immer flüchtiger werden und sich Menschen selbst im innersten Bereich ihrer Familien und Nachbarn immer egozentrischer verhalten, ist Ihre Gemeinschaft ein wichtiger Gegenentwurf.

DCG: Vielen Dank, Herr Dr. Hemminger für das Gespräch! Es ist für uns eine Bereicherung, Sie und Ihre Schüler regelmäßig bei uns zu Besuch zu haben!

Nach dem Gottesdienst sind die Studenten noch zu einer Gesprächsrunde eingeladen
Kennen sich lange: Dr. Hansjörg Hemminger und Gemeindevorsteher Thomas Schnaitmann